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Buchprojekt

 

Die Geschichte I./SG 3

von der Umrüstung auf Fw 190 im Herbst 1944 bis zum Kriegsende 

 

Dies ist die Geschichte einer vergessenen Einheit, einer vergessenen Waffengattung, in einem vergessenen Land. Grund genug also, die Kämpfe der Schlachtfliegerwaffe im Jahre 1945 einmal zu beleuchten.

Vorhandene Literatur, welche die Kämpfe in Ostpreußen 1945 beschreibt enthält Aussagen wie, bezogen auf den Kampf um Königsberg „... kein Flieger war über der Stadt zu sehen“.

Diese Lücken zu schließen ist erklärtes Ziel des Projektes.

Zur Zeit umfasst das Manuskript zur Chronik der I./SG 3 ca. 65 DIN-A 4Seiten. Als Basis dienten Akten aus dem Bundesarchiv, private Interviews und Briefkontakte als auch publizierte Literatur und Zeitschriften.

Trotz jahrelanger Recherche existieren Lücken. Durch die Einkesselung gingen offizielle Akten, als auch private Aufzeichnungen der Angehörigen zumeist verloren.

Daher suche ich dringend nach

- Augenzeugen

- Akten und Aufzeichnungen 

- Photos

um die Chronik komplettieren zu können. Jegliche Hilfe ist willkommen.

 

Chronik

Die I./SG 3 wurde am 18. Oktober 1943 durch Umbenennung der I./StG 3 gegründet. Ab dem 16. Juni 1944 erfolgte der Einsatz mit Ju 87 D-5 im Rahmen des Gefechtsverbandes Kuhlmey von Immola aus.

Direkt danach erfolgte die Umrüstung von der Ju 87 D-5 auf die Fw 190 in Pardubitz und Königsgrätz. Ende 1944 erfolgten die ersten Einsätze an der Ostpreußischen Front, welche bis zum 15. April 1945 andauern sollten.

Folgender Auszug aus dem Manuskript handelt von den harten Kämpfen um Königsberg.

18. Februar 1945

An diesem Tage greifen insgesamt 21 Fw 190 der Gruppe Feindkräfte circa 3 km nordöstlich Mehlsack an. Fw 190 der Stabsstaffel JG 51 fliegen Begleitschutz. Es erfolgt jedoch keine Feindsichtung.

Eine gute Bombenlage in den bespannten Fahrzeugen und Infanteriekolonnen wird gemeldet. Die weitere Wirkung wurde jedoch nicht erkannt.

Da sich der Benzintransport in den Heiligenbeiler Kessel als äußerst schwierig gestaltet verlegt die Gruppe nach Brüsterort. Ursprünglich sollte die Verlegung nur temporärer Natur sein. Daher verlegen nur die nötigsten Teile des Bodenpersonals mit Ju 52 auf den neuen Platz. Einige Tage später wird die jedoch Verlegung dauerhaft und die ganze Einheit verlegt auf dem Landweg nach Brüsterort.

Von Brüsterort aus wird das Primärziel der Gruppe sein, die Freikämpfung der Verbindung Königsberg-Pillau nach besten Kräften zu unterstützen.

Ein Angehöriger berichtet über den Einsatz von Brüsterort aus:

„Von Brüsterort aus wurden weitere Einsätze geflogen – sofern Benzin vorhanden war. Flugbenzin war die „Mangelware“, an Munition hat es uns nie gefehlt. Wenn die Tankwagen aus Pillau eintrafen, konnten fünf Einsätze geflogen werden, dann wurden die Maschinen nochmals aufgetankt und blieben stehen (Eine Vorsichtsmaßnahme, welche dazu diente im Notfall mit den Maschinen ausfliegen zu können; der Autor), bis die Tankwagen wieder aus Pillau bei uns eingetroffen waren. Das Warten dauerte oft tagelang.“

 

Die Flugzeug wurden am Platzrand in U-förmigen Splitterschutzboxen abgestellt, denn die Gefahr russischer Luftangriffe war omnipresent:

 „Wir mussten immer höllisch aufpassen, um auf der richtigen Seite  der Splitterschutz-Boxen in Deckung zu gehen. Alarme gab es nicht, wir erkannten die russischen Flugzeuge am Motorenklang. Abwehr hatten wir kaum, außer zwei 2cm Flaks war nichts vorhanden. Nach jedem Angriff musste ein Trupp fremdsprachiger Hilfswilliger die Bombentrichter zuschütten“

 

Die Samländische Küste bei Brüsterort

 

 19. Februar 1945

Westlich Königsberg sollen 61 Fw 190 der Gruppe einen Pakriegel circa  15km NW Königsberg angreifen. Da keine Verbindung zum Leittrupp hergestellt werden kann, wird das Ausweichziel Powayen bei (Großheidekrug) angegriffen. 

Der Ort wird mit Bomben und Bordwaffen eingedeckt. Weiterhin werden das Gut Klein-Medenau und Batteriestellungen mit guter Bombenwirkung angegriffen.

Fünf Flugzeuge werfen Ihre Bomben nicht, da die Bombe des Schwarmführer nicht auslöst.

Der Begleitschutz wird wiederum durch Fw 190 der Stabsstaffel des JG 51 gestellt. Diese kann wiederum drei Abschüsse verbuchen.

Trotz des Großeinsatzes der Gruppe und des Jagdschutzes sind die Verluste hoch. Fünf Totalverluste und zwei beschädigte Maschinen erleidet die I. Gruppe, alle durch Flak.

Unter den Verlusten an diesem Tage findet sich auch der Gruppenkommandeur Hptm. Töpfer. Er führte die Gruppe seit dem 6. Juli 1944. Bei Rauschen wird er durch Flak brennend abgeschossen. Er kann sich mit dem Fallschirm retten und gerät mit schweren Verbrennungen in russische Gefangenschaft. Im Herbst 1948 wird er schwer krank entlassen und verstirbt am 8.12.1955 in Frankfurt am Main.

Weiterhin werden Fähnrich Thoman, Ofw. Voß und Uffz. Heuck durch die Flak abgeschossen. Alle drei Flugzeugführer werden vermisst. 

Auch Uffz. Karl Klug, welcher erst am 28. Januar bei einer Notlandung verletzt wurde, wird ebenfalls durch die Flak abgeschossen und bleibt vermisst. Zwei weitere Maschinen werden durch die Flak beschädigt.

Der Tag sollte zum schwärzesten Tag der Gruppe nach der Umschulung werden. Nach dem schweren Verlust von fünf Flugzeugführern, darunter dem Gruppenkommandeur, hat die Gruppe am Abend nur noch 24 Maschinen im Bestand.

Lediglich 14 hiervon sind noch einsatzklar. 

Auf diese Maschinen kommen 30 Flugzeugführer, von denen 22 einsatzfähig am Platze sind.

Allerdings trug die I./SG 3 mit Ihrem Einsatz, trotz Ihrer hohen Verluste, an diesem Tag dazu bei, dass das Angriffsziel der deutschen Truppen erreicht wurde. Die Landverbindung von Pillau nach Königsberg konnte wieder freigekämpft werden.

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